Nadel & Fragen (3): Die Berliner Jung-Designerin Janna Lenartz im Interview
Janna Lenartz

Nach einer Burka als Seminararbeit im Studium, einem Praktikum bei Vivienne Westwood und ersten Gehversuchen in Prenzlauer Berg fand Janna Lenartz 2014 Laden und Atelier in Berlin-Charlottenburg. Dort arbeitet sie inzwischen weniger an Jersey-Kleidern für werdende Prenzl-Mütter, sondern macht ihr eigenes Ding – hochwertige alltagstaugliche Mode. Ihren Stücken verleiht sie dennoch jene Eleganz, welche die Gazellen im Logo ihres Labels auszeichnet.

Was ist das Schöne daran, Designerin zu sein?

Meine Arbeit als Designerin ist vielfältig und abwechslungsreich. Ich kann neue Kollektionen entwickeln und meine Ideen umsetzen. Außerdem macht mir mein Laden sehr viel Spaß. Der direkte Kontakt zu den Kunden ist mir wichtig.

Designerin Janna Lenartz
Designerin Janna Lenartz, Foto: Janna Lenartz

Was hat Dich inspiriert, Designerin zu werden?

Als Jugendliche bin ich oft mit klaren Vorstellungen von einem Outfit in Läden gegangen und habe dort viel Zeit verbracht. Meist habe ich enttäuscht diese Läden wieder verlassen, weil ich nichts gefunden habe. Deshalb fing ich an, mir selbst Sachen nach meinen Vorstellungen zu entwerfen. Anfangs habe ich dazu Klamotten auseinander genommen, mir die Materialien, Nähte und Muster detektivisch angeguckt und neu zusammengesetzt. Dabei entstand auch eine pinkfarbene Reithose, die in meinem Dorf damals eine echte Sensation war. Neugier hat mir oft geholfen, Hintergründe zu begreifen. Meine Familie hat mich dabei immer unterstützt.

Was würdest Du jungen Designern mit auf den Weg geben?

Bodenständig bleiben. Es gibt so viele Designer, die völlig den Bezug zu sich und zur Realität verloren haben, sich verbiegen und jeden Trend mitmachen. Wichtig ist, jederzeit zu hinterfragen, was man selber will und womit man sich wohlfühlt. Gerade am Anfang ist es normal, wenn man seine Strategie ändert. Das war bei mir auch so. Dabei sollte man nie vergessen, dass Mode nicht nur eine Traumwelt ist, sondern auch knallhartes Geschäft, in das man als Designer viel Zeit, Energie und Geld investieren muss.

Was gefällt der an nelou?

Bei nelou werde ich als Designerin sichtbar. So finden mich Kunden, die nicht in den Laden kommen können oder mich sonst nicht gefunden hätten. Das sind Kunden, die auf Qualität und nachhaltige Produktion Wert legen und wissen, dass der Preis auch dementsprechend stimmen muss. Der Designer muss davon Leben können. Kunden, die verstehen, dass Kleidungsstücke komplexe Teile sind. Kunden, denen es wichtig ist zu wissen, wo ihr Kleidungsstück herkommt und wer es entworfen hat.

Atelier
Showroom, Foto: Janna Lenartz

Wo ist Dein Atelier/Showroom?

In der Pestalozzistraße 103 in Berlin-Charlottenburg. Nicht unbedingt eine Touri-Gegend. Ich habe vor allem kieztreue Stammkunden. Zudem kommen viele Schweizer und Österreicher zu mir in den Laden, den ich seit 2014 hier habe.

Was liebst Du an Deiner Stadt?

Berlin ist vielseitig und gegensätzlich. Hier findet man die Zentren mit vielen Touristen und Trubel genauso wie die kleinen Kieze mit all ihrem Charme. Fährt man ein Stück stadtauswärts, gibt’s sehr viel Grün.

Wo findest Du Inspiration für Farben, Stoffe, Schnitte, Muster?

Inspiration ist für mich vor allem abhängig vom Moment. Wenn ich unterwegs bin, sehe ich oft Stoffe und habe sofort neue Ideen im Kopf. Kunden mit ihren ganz eigenen Vorstellungen finde ich auch inspirierend. Das erinnert mich an früher, an mich selbst.

Mit welchen Materialien, Techniken arbeitest Du?

Ich arbeite viel mit natürlichen Materialien, die ich für jedes Kleidungsstück neu kombiniere. So kann ein Stück zum Beispiel aus Wolle, Seide und Leder zusammengesetzt sein. Wichtig ist mir, dass die Sachen tragbar und funktionell sind. Kunden sollten die Möglichkeit haben, Sachen individuell auf sich abzustimmen. Meine Stoffe beziehe ich größtenteils aus Italien und Griechenland.

Welches Material war bis jetzt das, was Dich bei der Verarbeitung am meisten herausgefordert hat?

Seide ist sehr schwierig zu verarbeiten. Gerade in Kombination mit Leder. Das macht aber auch den Reiz aus, mit Gegensätzen zu arbeiten. Männermode ist schwieriger zu entwerfen. Sie ist schlichter, da kann ich mich als Designerin nicht so austoben. Frauen sind da experimentierfreudiger.

Atelier Janna Lenartz
Atelier, Foto: Janna Lenartz

Wer ist die typische Janna Lenartz-Kundin?

Die selbstbewusste Frau, die weiß was sie will und ein Gefühl für Besonderes, Extravagantes und Handgefertigtes hat. Bei mir bekommt sie ein komplettes Tages-Outfit für Alltag, Business oder zum Ausgehen. Maßanfertigungen gehören auch zum Konzept.

Drei Dinge in Deinem Kleiderschrank, die nicht fehlen dürfen …?

Die ein oder andere Jeans, eine Lederjacke und ein lässiges Shirt. Immer schick und bequem.

Irgendwelche Winter must-haves?

Einen schönen Mantel, in dem man sich wohlfühlt und der warm hält.

Worauf dürfen wir uns noch freuen?

Auf Taschen und Schuhe. Ich möchte das Outfit für meine Kunden noch kompletter machen. Außerdem möchte ich die Männerkollektion weiter ausbauen.

Dein Schlusswort für unsere Leser:

Am wichtigsten ist es, sich wohl zu fühlen – in seinem Leben und in seinen Klamotten. Wie man sich anzieht, ist auch immer Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Es bringt nichts, sich wie ein bunter Hund anzuziehen, wenn man es innerlich nicht verspürt.

Vielen Dank, Janna Lenartz!

Alle Produkte von Janna Lenartz kannst Du hier finden.

Text: Vivien Bergelt