Nadel & Fragen (2): Die Berliner Designerin Clara Kaesdorf im Interview
Clara Kaesdorf Catwalk Ehrfurchtshow

Erfinderisch, ehrgeizig und detailverliebt. Das sind drei Worte mit denen man Clara Kaesdorf zweifelsohne beschreiben kann. Nach dem Modedesign-Studium in Berlin und einen kurzen beruflichen Ausflug nach Antwerpen, wagte die 26-jährige vor 3 Jahren den Schritt und gründete ihr eigenes Modelabel mit Atelier und Laden in Berlin. Ihr Markenzeichen sind ihre ausgefallen und dennoch alltagstauglichen Designs.

Was ist das Schöne daran, Designerin zu sein?

Ich kann meine Kreativität umsetzen und meinen Kunden gefällt das. Muster, Stoffe und Lieferanten kann ich mir alle selbst aussuchen. Und ich mag es, meine Kunden zu beraten. Dabei sag ich ihnen auch, wenn ihnen etwas mal nicht steht. Manchmal erfinde ich sogar etwas: zum Beispiel einen speziellen Spiralverschluss, damit kann man meine Gürtel und Taschenriemen individuell in der Länge verstellen.

Clara Kaesdorf Showroom
Showroom, Foto: claudehilde

Wer hat Dich inspiriert, Designerin zu werden?

Von meiner Familie habe ich die Kreativität mitbekommen. Meine Großeltern sind Maler, mein Vater Geigenbauer. Mit ihm habe ich auch die Wooden Bag entworfen, eine Handtasche die von besonderem Satin-Nussbaum Holz umsäumt wird und so ein echter Hingucker ist.

Was würdest du jungen Designern mit auf den Weg geben?

In der Uni lernt man nur Model-Größe 34. Aber für Kunden etwas anfertigen, heißt immer auch mit realen Kleidergrößen zu arbeiten. Das geht nur, wenn man in den direkten Kontakt mit Kunden tritt und sich nicht hinter seinem Ladentisch versteckt. Zudem sollten sich junge Designer vernetzen und kooperieren, um eine bessere Präsenz zu haben. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Konzepte: einen gemeinsamen Laden teilen, Pop-Up-Stores, Ausstellen in Läden befreundeter Designer oder auf Designer-Plattformen wie nelou.

Was magst Du an nelou?

nelou zeigt Designer, die man sonst nicht sieht. Gerade Newcomer und die, die nachhaltig produzieren wollen. nelou bietet die Möglichkeit sich mit anderen Designern zu präsentieren, die auch auf lokale Fertigung und hochwertig Produktion Wert legen.

Wo ist dein Showroom?

In der Linienstraße 114 in Berlin-Mitte.

Was ist dein Lieblingsort in Berlin?

Ich liebe die Gegend um die August- und Linienstraße. Deswegen habe ich hier meinen Laden. Hier befinden sich viele kleine Galerien, Ateliers und Läden von befreundeten Künstlern, die viele Touristen anziehen. Wenn man will, kann man hier die ganze Welt treffen. Und die ganze Welt kann einen kennenlernen. Abends gehe ich hier gerne bummeln und lasse mich von den Schaufenstern inspirieren.

Clara Kaesdorf designs
Clara Kaesdorf Designs, Foto: claudehilde

Wo findest du Inspiration für Farben, Stoffe, Schnitte, Muster?

Inspiration sammle ich am liebsten überall. So kommen Eindrücke aus Mode, Natur, Forschung und Technik in meinen Entwürfe.

Wie kommst du auf deine Muster?

Mich reizt es, die Dinge im Unklaren zu lassen. So entstehen fantasievolle Muster, die aussehen wie Buntstift-Gekritzel oder wie eine gewischte Schiefertafel. Schaut man genau hin, sitzt zum Beispiel das ein oder andere kleine Monsterchen zwischen floralen Elementen. Aber jeder Kunde hat da seine eigene Interpretation. Es gibt auch Eiskristalle und Schachbrett-Muster.

Mit welchen Materialien, Techniken arbeitest Du?

Für die Stoffe verwende ich hochwertige Naturfasern wie Wolle, Seide, Leinen und Baumwolle. Ich arbeite mit Digitaldruck- und Siebdruckverfahren – je nach Muster und Stoff. Das machen nicht viele Labels. Für mich ist das etwas ganz Besonderes. Im Accessoire-Bereich arbeite ich hauptsächlich mit Leder und Holz.

Welches Material war bis jetzt das, was dich bei der Verarbeitung am meisten herausgefordert hat?

Seide! Seide ist besonders anspruchsvoll in der Verarbeitung. Das Fixieren und Zuschneiden ist extrem schwierig, da sich dieses Material gerne in alle Richtungen bewegt und ausdehnt.

Clara Kaesdorf
Clara Kaesdorf Fashion, Foto: claudehilde

Wer ist die typische Clara Kaesdorf Kundin?

Ich habe aufgrund der Lage des Shops viele Touristen als Kundinnen. Viele Galeriebesucher kommen zudem in meinen Laden. Kundinnen, die immer wieder kommen, stammen vor allem aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus Israel, Schweden und Norwegen. Meist suchen meine Kundinnen besondere Muster und Stoffe.

Drei Dinge in Deinem Kleiderschrank, die nicht fehlen dürfen …?

Ich bin ein absoluter Kleid und Rockträger durch das ganze Jahr hinweg! Im Winter kombiniere ich gerne herbstliche Farben wie Rot- und Grüntöne zu passenden Strumpfhosen und Stiefeletten. Diesen Winter habe ich aber auf jeden Fall auch eine farbenfrohe Culotte im Schrank, für mich durch ihre spielerische Saumweite die beste Kombination aus Hose und Rock.

Irgendwelche Winter must-haves?

Gerade im Winter ist mein wichtigstes Kleidungsstück meine warme Wolljacke mit Alpaca Ärmeln. Dicke Pullover passen problemlos darunter und trotzdem sieht man angezogen und ausgefallen aus. Auch ein eleganter Mantel sollte nicht fehlen. Ich finde es schade, dass in deutschen Läden im Winter meistens nur schwarze, triste Mäntel angeboten werden. Gerade wenn es herbstlich wird, sollte uns unsere Kleidung doch aufmuntern! Meine Mäntel sind auch sehr alltagstauglich, man kann den Reißverschluss beispielsweise von unten öffnen, so dass auch Fahrradfahren trotz figurbetonendem Schnitt möglich ist. Durch den hohen Kragen und komplettes Futter ist der Mantel auch bei kälteren Temperaturen ein ansehnlicher Begleiter!

Worauf dürfen wir uns noch freuen?

Clara Kaesdorf
Show Ehrfurcht, Foto: vierfotografen

Ich möchte in Zukunft internationaler agieren und auch in anderen Geschäften verkaufen, um mehr Menschen zu erreichen. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, auch Schmuck und Rucksäcke in meine Kollektionen aufzunehmen. Ganz wichtig ist mir, nachhaltig zu produzieren. Deshalb bin ich ständig auf der Suche nach Partnern, mit denen ich das verwirklichen kann. So möchte ich in naher Zukunft mit dem Rohstoff Lyocell arbeiten, der aus Buchenholz gewonnen wird und in der Herstellung weniger Wasser verbraucht als Baumwolle. Zur Zeit ist das noch schwierig.

Dein Schlusswort für unsere Leser:

Die Kunden sollen kreativ werden und überlegen, was sie tragen wollen. Und auch für Männer gilt – Hosen und Hemden gibt es auch in Farbe! Also: Habt mehr Mut zu einem bunteren Leben, zu Farben und Mustern.

Vielen Dank, Clara Kaesdorf!

Alle Produkte von Clara Kaesdorf kannst Du hier finden.

Text: Vivien Bergelt